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Hier wird ein Artikel des hessichen Landessportbundes zitiert:
Quelle: http://www.landessportbund-hessen.de/magazin-sport-in-hessen/2009/ausgabe-062009/training-mit-allen-sinnen.html
Training mit allen Sinnen
Im Sport findet ein neuartiges Training mehr und mehr Berücksichtigung. Das Training der Propriorezeption. Unter Propriorezeption oder Propriozeption versteht man Wahrnehmungen körperlicher Bewegungen in Bezug auf den umgebenden Raum, die nach Bedarf abgerufen werden können. Als Empfangs- und Speicherorgane sind z. T. Sinneszellen in Muskeln und Gelenken (Proprio(re)zeptoren) nachgewiesen. Propriorezeption ist beim Mensch nicht oder nur gering ausgebildet, scheint aber durch Übung beeinflussbar.
Die Medizinforschung befasst sich schon seit Jahren mit den Auswirkungen unserer Lebensbedingungen auf den Bewegungsapparat. Nicht nur, dass wir zu „Sitzlingen“ mutiert sind, sondern inzwischen auch nur noch „bequeme“ Wege gehen, beeinflusst mit Sicherheit die Voraussetzungen für sportliche Leistungen. Und das nicht nur bei Schülern und Jugendlichen. Denn der Körper passt sich den Belastungen an, die ihm abverlangt werden. Im positiven als auch im negativen Sinn.
Für alle Sportler ist ein gut funktionierendes Proprio-Rezeptorensystem eine wichtige Voraussetzung für Leistung. Propriorezeptoren sind Sinneszellen, die sowohl innere mechanische Einwirkungen auf Spannungszustände in Muskeln und Sehnen aufnehmen und an Rückenmark und Gehirn weiterleiten. Propriorezeptoren kontrollieren Stellungen und Bewegungen unserer Körperteile im Raum.
Reiz durch Muskeldehnung
Diese Rezeptoren werden durch Muskeldehnung gereizt. Die motorische Reaktion findet innerhalb des Muskels oder der Sehne statt. So werden Stellungen (Stellungen der Gelenke = Stellungssinn), Bewegungen einzelner Körperteile (Gelenkbewegungen = Bewegungssinn) und das Ausmaß an Muskelkraft für eine Bewegung oder das Halten einer Gelenkstellung (= Kraftsinn) vom Nervensystem selbst gesteuert und kontrolliert. Von dieser Tiefensensibilität hängt es ab, ob Bewegungsabläufe sicher, genau und mit dosiertem Krafteinsatz gesteuert werden können.
Die Propriorezeptoren in den Muskeln und Sehnen spielen also bei der Wahrnehmung von Gelenkstellungen und -bewegungen die Hauptrolle. Und genau deshalb ist diese „Tiefensensibilität“ eine wesentliche Voraussetzung für gute sportliche Leistungen in jeder Disziplin. Die neuromuskuläre Reaktionsbereitschaft der stabilisierenden Muskulatur wird verbessert oder wieder hergestellt und sichert damit aktiv das Gleichgewicht und die Stabilität des gesamten Körpers.
Bewegungsabläufe beim Sport sind ein kompliziertes Zusammenspiel von Propriozeptoren, dem Rückenmark und dem Gehirn. Bei Fehlinformationen ans Gehirn, z. B. durch einen instabilen Stand, sind Bewegungsstörungen und fehlerhafte technische Abläufe vorprogrammiert. Hier setzt Propriozeptions-Training an. Durch verschiedene Übungen auf stabilem oder instabilem Untergrund, oder auf Systemen wie z. B. Sportkreisel, Posturomed oder Proprioswing, kann – teilweise auch computergesteuert über Biofeedback – die Haltungsstabilisierung trainiert werden. Der propriozeptive Informationsfluss wird gestärkt und das Zusammenspiel der Muskeln harmonisiert.
Dies verbessert die Körperhaltung und die Standfestigkeit in Ruhe und bei sportlichen Belastungsformen einfacher und komplexer Art. Der stabile Stand ist z. B. eine der Grundvoraussetzungen, um eine optimale Flexibilität bei technischen Übungen zu erzielen.
Für alle Sportarten geeignet
Begünstigt durch dieses Training werden alle Sportarten. Also, nicht warten bis eine Verletzung eintritt und in der Rehabilitation beim Physiotherapeuten Bekanntschaft mit propriozeptivem Training geschlossen wird, sondern prophylaktisch und trainingsbegleitend immer wieder dieses Training in den Trainingsprozess integrieren. Mit minimalem Einsatz kann maximaler Nutzen erzielt werden.
Dr. Klaus Gerlach
